Über das Projekt
Das Programm STADTBAHN Halle bietet die einmalige und einzige Möglichkeit, die Infrastruktur der Halleschen Verkehrs-AG und die Versorgungsinfrastruktur der Stadtwerke nachhaltig auszubauen, um den Anforderungen an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der nächsten Jahrzehnte gerecht zu werden. Ein gut ausgebautes und leistungsfähiges Straßenbahnnetz ist ein wichtiger Standortfaktor für die Universitätsstadt Halle (Saale). Das Besondere am Programm STADTBAHN Halle: Auf einer gesamten Linie wird die Straßenbahn räumlich vom Individualverkehr getrennt. Nur bei sehr engen Straßenverhältnissen muss auf eine Trennung verzichtet werden. Hier wird durch die Gesamtgestaltung die Aufwertung zur Stadtbahn erreicht. Zusätzlich nutzen die Stadt Halle, die Stadtwerke Halle und die Hallesche Verkehrs-AG das dreistufige Programm dazu, um dort wo gebaut wird, Gas-, Elektro-, Abwasser- und Trinkwasserleitungen zu sanieren.
Auf Grund der vielen Projektbeteiligten sowie der technischen und förderrechtlichen Randbedingungen ist das Projekt sehr komplex. Die HAVAG als Maßnahmeträgerin, die Stadtwerke-Töchter EVH und Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft (HWS) sowie andere Versorgungsunternehmen und die Stadt Halle sind hierbei mit ihren zuständigen Fachbereichen stark gefordert. Die Umsetzung des Programms geschieht sehr ehrgeizig und unter hohem zeitlichen Druck, um die Beeinträchtigungen für alle Verkehrsbeteiligte so gering wie möglich zu halten.
Projektbeschreibung
Die Stadt Halle (Saale), die SWH und die HAVAG arbeiten seit 2013 an dem zukunftsfähigen Ausbau des städtischen Nahverkehrs mit den Zielen,
- Reisezeiten zu verkürzen,
- höheren Komfort für Fahrgäste z.B. durch ausgebaute Niederflurbahnsteige, Barrierefreiheit und ruhigeres Fahrverhalten der Straßenbahnen herzustellen,
- Pünktlichkeit sowie Zuverlässigkeit zu verbessern,
- Lärmbelästigung zu vermindern,
- Anschlüsse durch zuverlässiges Management bei der Fahrgastinformation zu sichern und
- Impulse für die Stadtentwicklung zu geben.
Die Projektleitung des Programms liegt bei der Halleschen Verkehrs-AG. Für weitere Informationen und bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne unter: stadtbahn@stadtwerke-halle.de.
Sowohl der Ausbau bestehender Strecken als auch die Erweiterung des Netzes mit Neubaustrecken sind Bestandteile des STADTBAHN-Programms, das aus drei Stufen besteht. Die Vorhaben der Stufen 1 und 2 sind größtenteils abgeschlossen oder werden zurzeit umgesetzt. Die Vorhaben der dritten Stufe werden vorbereitet.
Stufe 1
- Torstraße, fertiggestellt 2013
- Große Ulrichstraße, fertiggestellt 2013
- Rannischer Platz, fertiggestellt 2015
- Böllberger Weg Nord, fertiggestellt 2016 und Böllberger Weg Süd, fertiggestellt 2024
- Dessauer Straße und Endstelle Frohe Zukunft, Dessauer Straße Teil 1 fertiggestellt 2017, Teil 2 der Dessauer Straße wird bis Oktober 2026 ausgebaut, inklusive Wendeschleife
- Südstadtring, Anbindung der Wendeschleife Südstadt und Verlängerung in die Silberhöhe über Verknüpfungspunkt Veszpremer Straße, fertiggestellt 2018
- Am Steintor, fertiggestellt 2019
- Große Steinstraße, fertiggestellt 2019
Stufe 2
- Gimritzer Damm/Heideallee, fertiggestellt 2019
- Merseburger Straße, Merseburger Straße Nord ist fertiggestellt 2020, Merseburger Straße Mitte befindet sich in der Bauvorbereitung und Merseburger Straße Süd ist in der Vorplanung
- Mansfelder Straße West, fertiggestellt 2024
- Magdeburger Straße, ist in der Vorplanung
- Zwischenendhaltestelle An der Magistrale, fertiggestellt 2025
Stufe 3
- Bereich Giebichenstein
- Bernburger Straße
- Elsa-Brändström-Straße
- Paul-Suhr-Straße
- Damaschkestraße
- Freiimfelder Straße
Die Weichen für den weiteren Ausbau im STADTBAHN-Programm wurden gestellt: In der Juni 2021-Sitzung des halleschen Stadtrates wurde der Beschluss zur Stufe 3 des Programms gefasst und einstimmig angenommen. Gut für Halle (Saale): 250 Millionen Euro sollen in insgesamt dreizehn vorgestellte Vorhaben im gesamten Stadtbahnnetz der Halleschen Verkehrs-AG, einem Unternehmen der Stadtwerke Halle-Gruppe, fließen. Die beschlossene Stufe 3 beinhaltet den Ausbau der Streckenführung zwischen Trotha und Beesen bzw. der Endhaltestelle Elsa-Brändström-Straße in den kommenden Jahren. Der Ausbau findet auf den Linien 3 und 8 statt, die zu wirtschaftlichen und zukunftsfähigen Strecken ausgebaut werden sollen. Weiterhin entstehen die Neubaustrecken nach Heide Nord und entlang der Industriestraße zwischen Silberhöhe und Ammendorf.
An den Investitionen von über 250 Millionen Euro beteiligen sich Bund und Land in hohem Maße. Im Zuge des Gesamtvorhabens will die Hallesche Verkehrs-AG als Maßnahmeträgerin etwa 17 Kilometer Strecken ausbauen und fünf Kilometer neu bauen. Dazu zählt die neue, rund 3,3 Kilometer lange Verbindung zwischen der Haltestelle Kröllwitz und Heide Nord. Ein weiteres Neubauprojekt befindet sich in den Unterlagen: der Lückenschluss zwischen dem Anhalter Platz auf der Silberhöhe über die Industriestraße bis zur Merseburger Straße mit einer Länge von 1,7 Kilometern.
Weitere Vorhaben betreffen die Richard-Wagner-Straße und Große Brunnen-Straße, die Geschwister-Scholl-Straße, den Knoten Burgstraße/Fährstraße, Burgstraße und Mühlweg, den Knoten Reileck mit Adolfstraße, die Bernburger Straße, die Freiimfelder Straße, die Südstadt (Elsa-Brändström-Straße, Damaschkestraße, Vogelweide, Paul-Suhr-Straße), den Ausbau des Streckenastes Silberhöhe zwischen Südstadtring und Beesen und den Neubau eines P+R-Platzes mit 100 Plätzen im Bereich der Neustädter Schwimmhalle.
Aktuelle STADTBAHN-Projekte
Dessauer Straße, Haltestelle Frohe Zukunft
Seit Oktober 2023 bauen die Stadtwerke Halle und die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) die Dessauer Straße in der Frohen Zukunft nachhaltig aus, um sie auf die wachsenden Anforderungen der nächsten Jahrzehnte vorzubereiten. Dieses Modernisierungsprojekts ist Teil des ambitionierten STADTBAHN-Programms, das die Qualität und Leistungsfähigkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Halle (Saale) verbessern soll.
- ca. 800 m Neubau Gleisanlage in Mittellage, teilweise Grünstreifen
- Bau von barrierefreien Haltestellen mit Fahrgastunterständen
- Anpassung und Neuverlegung von Versorgungsleitungen
- Bau neuer Bahnstrom- und Fahrleitungsanlagen inkl. neuer Masten
- Bau neuer Beleuchtungsanlagen
- Bau neuer Richtungsfahrbahnen mit angrenzenden Fahrradstreifen
- Westliche Baumreihe bleibt erhalten
Der Schutz der Natur, insbesondere der Bäume, hat höchste Priorität. Die Planung der Verkehrsanlagen ist so ausgelegt, dass Eingriffe in den vorhandenen Baumbestand vermieden werden. Die Baumreihe auf der Westseite der Straße bleibt erhalten und die Bäume werden während der kompletten Bauphase fachgerecht geschützt.
Zwischen Kreuzung Landrain und Haltestelle Frohe Zukunft wird der gesamte Straßenraum umgestaltet. Die aktuell in Seitenlage verlaufende Straßenbahntrasse wird auf einer Länge von etwa 800 Metern in der Mitte der Straße neu gebaut. Die Straßenbahn fährt zukünftig behinderungsfrei, sicherer und auch leiser durch die Dessauer Straße. Denn die neuen Gleise werden überwiegend als Grüngleise mit Rasen gestaltet und verbessern so das Mikroklima und reduzieren den Verkehrslärm. Hinzu kommen drei barrierefreie Haltestellen mit neuen Fahrgastunterständen sowie Informationsanlagen mit Abfahrzeiten in Echtzeit.
Sichere Fußgängerquerungen über Fahrbahnen sowie regelkonforme Geh- und Radfahranlagen gehören ebenfalls zum großen Modernisierungsprojekt und sollen die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden erhöhen. Auch Kfz-Fahrbahnen werden neu angelegt.
Im Zuge des STADTBAHN-Projekts bekommt die Linie 1 eine neue Haltestelle in der Frohen Zukunft. Sie wird als Verknüpfungspunkt für Straßenbahnen und Busse an die neue Querschnittsaufteilung des Straßenraums angepasst.
Im Rahmen der Baumaßnahme werden ebenfalls ein Großteil der unterirdischen Versorgungsleitungen um- und neuverlegt. Das betrifft entlang der Strecke die Gas-, Elektro-, Abwasser- und Trinkwasserleitungen sowie neue Glasfaserleitungen. Zuerst verlegt die Stadtwerketochter Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS) einen neuen Abwasserkanal. Im Anschluss beginnt die HAVAG mit dem Verkehrsbau.
Die Aufnahme des Straßenbahnverkehrs ist für Oktober 2025 geplant. Danach schließt sich noch der Ausbau der westlichen Seite der Dessauer Straße an, so dass die Gesamtfertigstellung voraussichtlich im Herbst 2026 erfolgen wird.
Merseburger Straße Mitte
Die Merseburger Straße ist als Teil der B91 die wichtigste Nord-Süd-Achse für den Kfz-Verkehr in Halle. Neben Fußgängern und Radfahren ist sie deshalb auch für den öffentlichen Personennahverkehr sehr bedeutend. Deshalb wird in Stufe 2 des Programms STADTBAHN Halle auf der Linie 5 der Abschnitt zwischen Ammendorf und Kröllwitz für eine zukunftsfähige, schnellere Stadtbahnlinie in drei Teilabschnitten ausgebaut. Für jeden der Abschnitte des Vorhabens wurden mehrere Varianten entwickelt und in den Stadt-Gremien diskutiert, um eine Vorzugsvariante festzulegen, die alle öffentlichen Belange berücksichtigt.
Nach dem Beginn der bauvorbereitenden Arbeiten für den Abschnitt Merseburger Straße Mitte im Februar 2022, starteten am 1. April 2022 die Bauarbeiten. Der Abschnitt schließt an den bereits fertiggestellten Abschnitt Merseburger Straße Nord in Höhe Thüringer Straße an und endet südlich der Rosengartenbrücken Höhe Pappelallee. Der Abschnitt Mitte wird in fünf Bauabschnitten „unter rollendem Rad“ realisiert, um den Straßenbahnbetrieb während der gesamten Bauzeit aufrechtzuerhalten. Dazu werden Gleiswechsel eingebaut, um den Straßenbahnbetrieb eingleisig aufrechterhalten zu können.
Der Straßenzug Merseburger Straße Mitte wird in einer Komplexmaßnahme auf 2,7 Kilometern zukunftsfähig ausgebaut, d.h. für den Ausbau der Straßenbahnanlagen werden alle Flächen, Anlagen und Leitungen einbezogen. Um die Beeinträchtigungen für den gesamten Verkehr und die Anliegenden möglichst gering zu halten, erfolgen die Arbeiten in fünf Bauabschnitten und weiter unterteilt in Baufeldern. Somit werden auch mehrere Teilinbetriebnahmen für die Verkehrs- und Nebenanlagen erfolgen. Während der gesamten Baumaßnahme wird der Straßenbahnbetrieb bis auf kurze Zeiträume aufrechterhalten. Durch die bauzeitlich bedingte eingleisige Befahrung kann für die Fahrgäste der HAVAG ein längerfristiger Schienenersatzverkehr vermieden werden.
Der gesamte Gleis- und Straßenquerschnitt wird ausgebaut. Die Gleise der Straßenbahn werden in Mittellage als Grüngleis eingeordnet. Die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, besonders Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger, wird verbessert. Die Reisezeit wird reduziert und die Pünktlichkeit durch einen vollständigen barrierefreien Ausbau erhöht. Behinderungen im Straßenbahnbetrieb werden beseitigt durch bauliche Anpassungen und neue Lichtsignalanlagen. Außerdem wird auch der Straßenraum durch eine Neugestaltung aufgewertet. Es bleiben die durchgehenden Baumreihen mit Alleecharakter erhalten, da wo es möglich ist, werden die Baumreihen mit Neupflanzungen ergänzt. Es werden alle Knotenpunkte insgesamt optimiert. Die Verkehrsanlagen werden, bei erhöhtem Sicherheitsanspruch, leistungsfähiger. Neben der Verbesserung und Sicherung der Fußgänger- und Fahrradüberwege mit Ampeln, bekommen alle Haltestellen einheitliche barrierefreie Einstiege, Fahrgastunterstände, Sitzmöblierung, Spritzschutz und Fahrgastinformationsanlagen. Im Vorfeld werden Fahrleitungs-, Bahnstromversorgungs- und Kommunikationsanlagen sowie unterirdische Versorgungsleitungen angepasst oder erneuert.
Der Straßenraum wird durch den Einsatz hochwertiger Materialien, insbesondere für die Oberflächenbefestigungen, aufgewertet. Um die Wurzeln der vorhandenen Bäume zu schützen und den Anteil der versiegelten Flächen zu reduzieren, werden die Fahrbahnbreiten gegenüber dem Bestand reduziert.
Soweit es möglich ist, werden neue Baumstandorte eingeordnet bzw. Bestandsbäume integriert oder ersetzt. Die Zielstellung zum Erhalt der Baumallee wird umgesetzt. Zum Erhalt der vorhandenen Bäume werden umfangreiche Leistungen erbracht (z. B. Baumschutzmaßnahmen, Wässerungsaktionen, Handschachtungen und Bodenabsaugungen, neues Bodensubstrat, neue Baumscheiben). Wurzelschutzmaßnahmen sind zurzeit schon zu sehen. Es werden 88 Bäume entnommen, denn an verschiedenen Punkten gefährden Baumwurzeln Abwasserkanäle und Versorgungsleitungen. Mindestens zehn Bäume werden umgepflanzt. Weiterhin erfolgen 140 Neupflanzungen und Nachpflanzungen innerhalb der Baumreihen. 320 Meter Hecken werden neu- und nachgepflanzt. Insgesamt werden 3.590 Quadratmeter Flächen entsiegelt.
Alle Leistungen werden durch eine ökologische Baubegleitung kontrolliert. Auch ein dendrologischer Gutachter (Experte für Bäume) wurde für das Vorhaben beauftragt. Baumfällungen erfolgen nur dort, wo sie unabdingbar sind, aufgrund der Sicherstellung der Verkehrssicherheit oder aufgrund der Gefährdung von Versorgungsleitungen. Hierfür wurden umfangreiche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen festgelegt (gemäß § 15 Abs. 2 Bundesnaturschutzgesetz). Unbedingt erforderliche Eingriffe in den Grünbestand erfolgen nur in den Bereichen, in denen die Baumaßnahmen bevorstehen.
Auf der Grundlage mehrerer Stadtratsbeschlüsse, insbesondere des Beschlusses vom 28. Februar 2018 wurde ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Der Planfeststellungsbeschluss erfolgte am 2. August 2019 und ist rechtskräftig.
Die Baumaßnahme wird vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt (MLV) gefördert.