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50 Jahre Tatra-Straßenbahn - Ein Fest.

Am 7. September fährt sie schau und rattert in Meterspur der Zeit

Anlässlich ihrer 50-jährigen Betriebszugehörigkeit, unterwegs auf Halles Gleisen, plant der Verein der Halleschen Straßenbahnfreunde einen Fahrzeugkorso mit allen vorhandenen Tatrawagen und deren Umbauten im Stadtgebiet von Halle. Über den Tag verteilt können die Fahrzeuge bestaunt werden: Chopper, Zweirichtungswagen, Arbeitswagen und Fahrschulwagen.

Veranstaltungen zum Jubiläum am 7. September 2019

Fahrzeugkorso mit Start am Franckeplatz ab 9.00 Uhr, Fahrkartenverkauf ab 8.30 Uhr

Der Hallesche Straßenbahnfreunde e. V. lädt zu einer Paradenrundfahrt ein. Wer mitfahren möchte, sollte sich ab etwa 8.30 Uhr am Franckeplatz (auf Gleis C und D) einfinden. Die Fahrkarten für die einzelnen Fahrzeuge können auch dort gekauft werden und sind zu einem Preis von 5 Euro für Erwachsene bzw. 3 Euro für Kinder erhältlich.

Aktionen im historischen Depot ab 11.00 bis 17.00 Uhr

Der Verein öffnet ab 11 Uhr Tür und Tor und bietet nicht nur für große Straßenbahn-Enthusiasten genügend Unterhaltung. So wird unter anderem ein Vortrag zu „50 Jahre Tatra“ gehalten und zu Rundgängen eingeladen. Auch die kleinen Besucher kommen bei Musik, Leckereien, einer Hüpfburg, einer Modelleisenbahn und Bastelstraße auf ihre Kosten. Ein bunter Tag also, für die ganze Familie mit tatkräftiger Unterstützung der HAVAG. Außerdem können Straßenbahnbegeisterte hinter die Kulissen des Vereins schauen und Wissenswertes über die Vereinsarbeit in Erfahrung bringen. Vielleicht möchten Sie sich im Verein engagieren? Weitere Informationen zum Verein und zur Veranstaltung finden Sie auf www.hsf-ev.de.

Ort: Historisches Straßenbahnmuseum, Seebener Straße 191, 06114 Halle

Sonderfahrten mit Sonderlinie 50 ins historische Depot 

Im Anschluss, bis Ende der Veranstaltung, werden die Fahrzeuge auf einer Sonderlinie unterwegs sein, die den Betriebshof in der Seebener Straße mit der Innenstadt und dem Riebeckplatz verbindet. Damit haben alle Interessierten die Möglichkeit, an der Veranstaltung teilzunehmen, den Veranstaltungsort zu erreichen und das Fahrgefühl von einst hautnah zu erleben.

Für die Mitfahrt wird ein Sondertarif erhoben: Mit dem Erwerb einer besonderen Tageskarte zum symbolischen Preis von 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder besteht die Möglichkeit, die Fahrzeuge auf der Sonderlinie 50 zwischen 11.30 Uhr und 17 Uhr beliebig oft nutzen zu können. Die Einzelstreckenfahrt kostet 2 Euro für Erwachsene und pro Kind. 1 Euro. Diese berechtigt zur einfachen Fahrt nach Kröllwitz oder zur Innenstadt.

Tag des offenen Denkmals am 08. September 2019

Im Rahmen der europaweiten Veranstaltung „Tag des offenen Denkmals“ öffnet das historische Straßenbahndepot von 10 bis 18 Uhr seine Pforten. Erfahren Sie Wissenswertes aus über 135 Jahren Straßenbahngeschichte.

Anlässlich des Denkmalstages steht ein besonderes fahrendes Denkmal im Mittelpunkt: Triebwagen 4 – der älteste betriebsfähige Straßenbahnwagen Europas - wird in diesem Jahr 125 Jahre alt. An diesem Tag erhalten Sie die seltene Gelegenheit, an einer Rundfahrt in diesem Holzbauwagen teilzunehmen. Die Fahrkarten sind am Veranstaltungstag vor Ort an der Depotkasse  erhältlich, der Preis für eine Rundfahrt beträgt 5 Euro. Ermäßigungen werden nicht gewährt. 

Für Liebhaber des Omnibusses wird eine Rundfahrten in einem historischen Fahrzeug angeboten. Die Fahrkarten sind zum Sondertarif in Höhe von 3 Euro für Erwachsene bzw. 2 für Kinder erhältlich.

Außerdem werden Tatrafahrzeuge auf dem Außengelände des Betriebshofs präsentiert und die Modellbahn dreht ihre Runden.

Weitere Informationen finden Sie auf www.hsf-ev.de

Erster Einsatz am 12. Juli 1969

Der Tatrawagen prägte das Bild des Ostens: Dresden, Leipzig, Magdeburg, Schwerin, Karl-Marx-Stadt und eben Halle. Ihren Einstand für die VE Verkehrsbetriebe am 7. September hatten die Modelle vom Typ T4D (D für Deutschland) am 12. Juli 1969. Mit der Lieferung der ersten Triebwagen 901 und 902 sowie kurze Zeit später des Beiwagens 101 begann ein langfristiges Erprobungsprogramm der Tatrawagen. Der Wagentyp wurde vom Hersteller ČKD Praha in der ehemaligen ČSSR bezogen und musste für seinen Einsatz in der DDR aufgrund von bautechnischen Gegebenheiten modifiziert werden. Der geplante Einsatz der neuen Tatrafahrzeuge setzte erhebliche Anpassungen im Streckennetz, der gesamten Stromversorgung und den Werkstätten voraus. Zum Teil mussten Gleisanlagen umgebaut werden, um den Bahnen den notwendigen Platz einzuräumen, um einen Bogen durchfahren zu können.
Eine weitere Herausforderung stellten die elektrisch stellbaren Weichen dar. Bisher verkehrten alle Straßenbahnzüge mit nur einem an der Fahrleitung anliegenden Stromabnehmer. Mit dem Einsatz von Tatratraktionen (zwei Triebwagen) entwickelte Halle eine induktive Weichensteuerung, für die ein Wirtschaftspatent erteilt wurde. Bereits Mitte 1971 konnten alle Weichen ohne Einschränkungen von Tatratraktionen befahren werden. Nach Abschluss der Testphase erfolgte der erste Einsatz für Fahrgäste zwischen Halle/ Thälmannplatz (heute Riebeckplatz) und Ammendorf. Ende 1971 rollten die Tatras über Land nach Bad Dürrenberg. Im November 1986 trafen die letzten TatraWagen in Halle ein. Die Prager Straßenbahnbauer stellten die Produktion dieser Fahrzeuggeneration ein. Heutzutage erscheinen die hochgewachsenen Kolosse im Stadtbild stark, zäh und robust. Tatsächlich waren diese zu ihrer Zeit störungsanfällig und wartungsaufwändig. Schwer zu glauben

Technik, die noch immer begeistert

Tatrawagen aus Halle waren begehrt: Sie fahren noch heute in Kaliningrad, in der Ukraine und in Sofia. Selbst im britischen National Tramway Museum in Crich fuhr ein Original Tatra-Zweirichtungswagen. Mittlerweile ist der „double-ended Halle 902“ an das Rigby Road Depot in Blackpool ausgeliehen und steht Besuchern täglich für Sonderfahrten zur Verfügung.